*lesens.wert* Zeruya Shalev: Schmerz

Ab sofort wird es hier unter der Kategorie „lesens.wert“ Buchempfehlungen – beziehungsweise unter „hörens.wert“ Hörbuchtipps – geben.

Ich lese ziemlich viel, lausche ziemlich vielen Hörbüchern, und schaffe es zeitlich meist nicht, ausführliche Rezensionen dazu zu schreiben. Das finde ich ein bisschen schade. Und da ich euch gern mehr gute Literatur und Hörbücher empfehlen möchte, mache ich dies nun auf diese Weise: mit einer Kurzvorstellung, bei der ich ein paar Sätze zum Buch schreibe und bei der ihr euch hoffentlich einen kleinen Eindruck von der jeweiligen Lektüre verschaffen könnt. Um diese dann bei Gefallen vielleicht kaufen oder ausleihen zu können.

Los geht´s mit einem Titel, den ich besonders Leserinnen ans Herz legen möchte.

Von Schmerz begleitet

Vor einigen Tagen habe ich den wunderbaren Roman „Schmerz“ von Zeruya Shalev beendet. Die israelische Autorin erzählt darin von Iris, einer verletzten und verletzlichen Frau Mitte vierzig. Iris hat mit ständigen Schmerzen zu kämpfen, denn vor zehn Jahren wurde sie Opfer eines Terroranschlages, den sie nur knapp überlebt hat und dessen Folgen ihr heute noch zu schaffen machen. Doch Iris hat sich nicht unterkriegen lassen, hat sich zurück ins Leben gekämpft, hat sogar die Leitung einer Grundschule in Jerusalem übernommen.

Besonders glücklich ist Iris dennoch nicht. Tochter Alma und Sohn Omer haben ihre Kindheit zwar einigermaßen gut überstanden – trotz des traumatischen Vorfalls -, Ehemann Micki ist eine treue Seele – trotz mancher Makel -, und Freundin Dafna ist immer für Iris da. Wäre da nur nicht dieser Schmerz! Dieser penetrante Schmerz, der irgendwie dreidimensional ist. Der ihren Körper, ihren Geist und ihre Seele angreift. Der nicht nur von den Folgen des Attentats herrührt, sondern ebenso von der Trauer um den Verlust einer – ach, was: der einen – Jugendliebe.

Der Wert von Liebe und Familie

Trotzdem versucht Iris, ihren Alltag und ihre Familie aufrechtzuerhalten. Versucht, mit dem Schmerz umzugehen, ihn zu ertragen. Auch wenn sie sich innerlich immer mehr von Mann und Kindern entfernt: Sie möchte als Frau und Mutter und als Lehrerin funktionieren. Unbedingt. Als sie dann aber durch Zufall ihrer Jugendliebe wieder begegnet, gerät ihr (Gefühls-)Leben, ihre ganze Welt ganz schön ins Wanken …

Und plötzlich stellt sich die Frage: Wie wichtig ist die Familie für sie? Ist sie bereit, ihre Lieben für die „wahre Liebe“ aufzugeben?

Ich fand diesen Roman unheimlich faszinierend und fesselnd, habe ihn unheimlich gern gelesen und bin dabei der gleichzeitig starken wie schwachen Protagonistin sehr nahe gekommen – was sicher auch an der gelungen gewählten Erzählperspektive liegt, die alle Ereignisse stets durch Iris´ Augen darstellt.

Ich fand es grandios, wie die Autorin existentielle Fragen aufwirft – nach echter Liebe, der Bedeutung von Ehe, der Möglichkeit einer Affäre oder gar des Ausbrechens, nach dem Wert von Familie. Wie sie behutsam und häppchenweise Antworten anbietet oder anreißt, ohne diese aufzudrängen.

„Schmerz“ ist eine feine und starke, kluge und ehrliche Lektüre, die lange nachhallt. Ganz große Leseempfehlung für dieses schmerzhaft schöne Buch!


 

Zeruya Shalev: Schmerz // übersetzt von Mirjam Pressler // Taschenbuchausgabe: 384 Seiten // 10,00 EUR //      Berlinverlag 2016

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