*Hörbuch-Rezension* Der Trick / Emanuel Bergmann

Kaum zu glauben, dass dies ein Debütroman ist. Emanuel Bergmann schreibt, als wäre er schon ewig ein Meister in seinem Fach. Ein Meister, der die Erzählkunst aufs Feinste beherrscht und seine Leserschaft – oder Hörer – mit seinen Worten mitreißt, verzaubert und berührt. Selten habe ich ein Hörbuch so genossen.

Diogenes Hörbuch / 9 Std. 43 Min. / 24.02.2016 / 25,99 €

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Der Inhalt

1934, in Prag, bestaunt der fünfzehnjährige Rabbinerssohn Mosche Goldenhirsch im Zirkus die Zauberkunststücke des legendären ›Halbmondmanns‹ und seiner liebreizenden Assistentin – es ist um ihn geschehen, und zwar gleich doppelt. Er rennt von zu Hause weg und schließt sich dem Zirkus an, der nach Deutschland weiterzieht. 2007, in Los Angeles, klettert der zehnjährige Max Cohn aus dem Fenster seines Zimmers, um den Großen Zabbatini zu finden, einen alten, abgehalfterten Zauberer. Der Junge ist überzeugt: Nur Magie kann seine Eltern, die vor der Scheidung stehen, wieder zusammenbringen. Eine bewegende und aberwitzige Geschichte, die Zeiten und Kontinente umspannt, ein Roman über die Zerbrechlichkeit des Lebens und den Willen, sich verzaubern zu lassen. (Quelle: Diogenes)

Die Gedanken zum Hörbuch

„Der Trick“ erzählt die Geschichte zweier Jungen. Es ist die Geschichte des zehnjährigen Max, der im Los Angeles des 21. Jahrhunderts lebt und der die dauerhafte Trennung seiner Eltern mit allen Mitteln verhindern will. Als er durch Zufall vom Liebeszauber des Großen Zabbatini hört, keimt neue Hoffnung in ihm auf. Denn der große Zauberer wird es sicher schaffen, seine Familie wieder zusammenzubringen. Also macht Max sich auf die Suche nach Zabbatini – und erlebt so einige Überraschungen, als er ihn endlich trifft und kennenlernt.

In einem zweiten Erzählstrang geht es um Mosche, der Jude ist und das eigentlich gar nicht sein möchte. Schließlich ist man in den Dreißiger Jahren als Jude nicht unbedingt gerne gesehen. Weder in Prag noch in den deutschen Städten, in die es Mosche verschlägt. So nimmt er als Zirkuskünstler dankbar und stolz die Identität des persischen Zauberers Zabbatini an. Eine Identität, die ihn zugleich schützt und zu beträchtlichem Ruhm verhilft. Dennoch gehen auch an Mosche die Spuren des Zweiten Weltkrieges nicht vorbei.

Als die beiden Protagonisten im Jahr 2007 aufeinandertreffen, ist aus dem ehemals strahlenden Zauberkünstler Zabbatini alias Mosche Goldenhirsch ein verbitterter alter Mann geworden. Jeglicher Zauber, jegliche Magie scheint aus seinem Leben gewichen zu sein. Doch der kleine Max lässt sich davon nicht abschrecken. Er hat eine Mission zu erfüllen, bei der ihm der Große Zabbatini helfen muss. Unbedingt.

Die eigene Meinung

Dieses Hörbuch hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen – und verzaubert. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Zaubergeschichte aus dem Fantasy-Bereich. Der Zauber liegt vielmehr in der Magie der Geschichte an sich, in den herrlichen Charakteren und in Emanuel Bergmanns prägnantem und liebevollem Einsatz von Sprache. Hier macht der Ton die Musik. Und die Melodie klingt einfach zauberhaft. Wenn der Autor vom Werdegang des Großen Zabbatini erzählt, der doch in Wahrheit ein Jude ist und in der Zirkuswelt eine neue Identität findet. Wenn die Sprache auf den kleinen Max kommt, der so sehr unter der Trennung seiner Eltern leidet und all seine Hoffnungen in die Zauberkunst des Großen Zabbatini setzt. Wenn die beiden sich begegnen und sich aus anfänglichem Misstrauen eine ganz besondere Freundschaft entwickelt, in der wiederum ein ganz eigener Zauber liegt. Und wenn sich die Fäden der Erzählstränge immer mehr miteinander verbinden und ein wunderbares Ganzes entsteht. Dann legt man dieses (Hör-)Buch am Schluss zur Seite und fühlt sich rundum glücklich und beschenkt. Und man ist irgendwie traurig, dass man sich nun von den liebenswerten Figuren, die einem mittlerweile ans Herz gewachsen sind, verabschieden muss.

Neben der außergewöhnlichen Handlung, die sich von anderen Titeln erfrischend abhebt, ist mir Bergmanns Sprachstil aufgefallen. Positiv aufgefallen natürlich. Denn der Autor trifft beim Erzählen absolut präzise den Ton des Charakters, der gerade im Vordergrund steht. Die Sprache sowie das Sprachregister sind stets genau der jeweiligen Figur angepasst – was den gesamten Roman noch authentischer, glaubwürdiger und überzeugender macht. Und vom einzigartigen Talent des Autors zeugt.

Stefan Kaminskis Interpretation von „Der Trick“ trägt dazu bei, dass aus einem hervorragenden Lesestoff ein wahrer Hörgenuss wird. Der Sprecher verfügt über die perfekte Erzählerstimme. Außerdem erweckt er die einzelnen Charaktere auf unverwechselbare Art zum Leben, so dass stellenweise der Eindruck entsteht, es handele sich um ein Hörspiel mit verteilten Rollen. Eine großartige Sprecherleistung, die beeindruckt.

Der Autor

Emanuel Bergmann, geboren 1972 in Saarbrücken, ging nach dem Abitur nach Los Angeles, um dort Film und Journalismus zu studieren. Er war viele Jahre lang für verschiedene Filmstudios, Produktionsfirmen und Verlage in den USA und Deutschland tätig. Derzeit unterrichtet er Deutsch, übersetzt Bücher und schreibt Artikel für diverse deutsche Medien. ›Der Trick‹ ist sein erster Roman. (Quelle: Diogenes)

Der Sprecher

Stefan Kaminski, geboren 1974, ist Schauspieler, Sprecher und Autor. Nach seinem Studium an der Ernst Busch Hochschule war er lange Jahre Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin (Regie u. a. Dimiter Gotscheff ). Seit 2007 entwickelt Stefan Kaminski am Deutschen Theater seine On-Air-Abende, eine sensationelle Mischung aus Theater, Hörspiel und Entertainment, mit denen er auch auf Tour geht. Darüber hinaus ist er aus vielen Produktionen für Rundfunk, Fernsehen und Hörbuchverlage bekannt. (Quelle: Diogenes)

Das Fazit

„Der Trick“ ist ein hervorragendes Debüt mit liebenswerten Charakteren und einer außergewöhnlichen Geschichte, die das Herz berührt und auf sehr feine Art unterhält. Das Hörbuch enthält die richtige Mischung aus guter Unterhaltung, Humor, Tiefgang und einem talentierten Sprecher. Alles, was ein Hörbuch braucht, um perfekten Hörgenuss zu bieten. „Der Trick“ ist somit ein Titel, den ich uneingeschränkt und unbedingt weiterempfehle. Und ich hoffe, dass dies nicht der letzte Titel von Emanuel Bergmann sein wird.

Die Vernetzung

Diese Bloggerinnen verfielen auch dem Zauber des Großen Zabbatini und der Erzählkunst von Emanuel Bergmann:

*Lisibooks*

*bibliothecaro*

*Book Experiences*

*Bücherwurmloch*

6 Gedanken zu “*Hörbuch-Rezension* Der Trick / Emanuel Bergmann

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