*Hörbuch-Rezension* Layers / Ursula Poznanski

Die Infos zum Hörbuch

Sprecher: Jens Wawrczeck • Verlag: der Hörverlag (August 2015)

Laufzeit: 765 Minuten (ungekürzte Lesung) • Format: 1 MP3-CD

Genre: Jugendthriller ab 12 Jahren (vom Loewe Verlag ab 14 Jahren empfohlen)

ISBN: 978-3-8445-1935-8 • Preis: 14,99 €

Das gleichnamige Buch ist im Loewe Verlag erschienen.

*Hörprobe*

Der Inhalt

Dorian lebt auf der Straße und steckt so richtig in der Klemme: Er fühlt sich von der Polizei verfolgt. Unverhofft hilft ihm ein Fremder und versteckt ihn in einer Villa, wo Dorian Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält. Doch umsonst ist nichts im Leben. Als Gegenleistung soll er geheimnisvolle, versiegelte Werbegeschenke verteilen. Als Dorian eines der Geschenke für sich behält, gerät sein Leben in Gefahr. (Quelle: der Hörverlag)

Verlagsseite *der Hörverlag* • Verlagsseite *Loewe*

Doodling pen drawing

Die Gedanken zum Hörbuch

Um den neuen Jugendthriller „Layers“ von Ursula Poznanski kam man in diesem Sommer kaum herum. Das Werk wurde bereits im Vorfeld auf zahlreichen Plattformen beworben, dann von etlichen Bloggerinnen und Bloggern besprochen und – nicht immer hoch gelobt. Auch ich wollte mir „Layers“ zu Gemüte führen, und habe mich hierbei für das Hörbuch entschieden – unter anderem, da ich Jens Wawrczeck als Sprecher sehr schätze. Ich kann mich der Meinung meiner Blogger-KollegInnen größtenteils anschließen. Aber lest selbst.

„Layers“ erzählt die packende Geschichte von Dorian, der mit seinen siebzehn Jahren bereits auf der Straße lebt. Von zu Hause weggelaufen – geflohen vor seinem gewalttätigen Vater -, schlägt er sich als Obdachloser durch sein Leben, bis er von dem wohlhabenden und einflussreichen Raul Bornheim in dessen Villa aufgenommen wird. Bornheim und seine Mitarbeiter haben es sich zur Aufgabe gemacht, obdachlosen Jugendlichen ein Heim zu geben und sie mit allem Notwendigen zu versorgen. Im Gegenzug dazu müssen die jungen Leute diverse Arbeiten für Bornheim verrichten, wie das Verteilen von Flyern und Werbegeschenken. Auch Dorian wird für die Botendienste eingeteilt und liefert die mysteriösen Päckchen aus, deren Inhalt ihm verborgen bleibt. Eines Tages öffnet der Junge jedoch – verbotenerweise – ein Päckchen und kommt langsam, aber sicher Bornheims Geheimnis auf die Spur. Dass er sich damit in höchste Gefahr begibt und von da an zum Gejagten wird, ahnt er noch nicht. Dorian landet erneut auf der Straße und muss sich als meist gesuchte Person durch das Labyrinth der Stadt schlagen – immer auf der Flucht vor Bornheims Männern und auf der Suche nach der Wahrheit.

Neben Dorian spielen zwei weitere Jugendliche eine kleine, aber recht bedeutende Rolle – Melvin und Stella. Mit beiden freundet Dorian sich während seines Aufenthalt in der Villa an, und beide tauchen an verschiedenen Stellen in der Geschichte immer wieder kurz auf. Welche Bedeutung diese Charaktere für Dorian haben, sei hier nicht verraten. Auch zur Bedeutung des Titels möchte ich nur ein paar Worte verlieren. Mit dem Begriff „Layers“ wird man anfangs wenig anfangen können und sich fragen, was dieser Titel mit der Handlung zu tun hat. Doch an einer bestimmten Stelle im (Hör-)Buch löst Ursula Poznanski diese Frage auf. Und man ist erstaunt, welche clevere Auflösung sich dahinter verbirgt.

Erzählt wird „Layers“ aus der Perspektive des Protagonisten. Dieser personale Erzähler begleitet Dorian auf Schritt und Tritt und schildert die Ereignisse aus seinem Blickwinkel heraus. Dabei bleibt der Erzähler ganz nah bei Dorian und gewährt stets Einsicht in seine Überlegungen und Emotionen. Die Gefühle, Gedanken und Absichten aller anderen Figuren bleiben undurchsichtig. Und so fühlt man sich als Zuhörer, beziehungsweise Leser, mit Dorian auf der Flucht und vermutet hinter jeder Straßenecke einen Verfolger.

Die eigene Meinung

Die Autorin hat mit „Layers“ einen originellen und packenden Jugendthriller vorgelegt. Ich bin immer wieder überrascht, über welch großen Einfallsreichtum und welch sagenhafte Kreativität Ursula Posnanzki verfügt. Die Idee, die dieser Geschichte zugrunde liegt, ist einfach genial, außergewöhnlich und einzigartig. Ohne zu viel zu verraten, kann ich sagen, dass die Autorin gekonnt die neusten Entwicklungen unserer Mediengesellschaft weiter gesponnen und mit einer spannenden Handlung verknüpft hat.

Trotzdem hat mich dieses Hörbuch nicht so begeistert wie beispielsweise die Thriller „Erebos“ oder „Saeculum. Frau Poznanski ist eine großartige Schriftstellerin und eine Meisterin ihres Handwerks – keine Frage. Sie versteht es, ihre Leserschaft zu fesseln und mitzureißen. Geschickt baut sie größere und kleinere Spannungsbögen auf. Die Handlung ist gespickt mit zahlreichen Rätseln, die es zu lösen gilt, Fragen, die auf eine Antwort warten. Dennoch bin ich über einige Schwächen gestolpert – Schwächen, die mich schlichtweg gestört haben. So ist der Protagonist Dorian meiner Meinung nach recht eindimensional und blass. Man bekommt zwar durch die Erzählperspektive, die immer ganz nahe bei Dorian bleibt, einen Einblick in seine Gedanken und Gefühle. Doch wirken diese oft oberflächlich und drehen sich in erster Linie um die Jagd. Außerdem macht Dorian einen wesentlich jüngeren und unreiferen Eindruck als siebzehn Jahre. Ich würde sein Alter auf höchstens fünfzehn schätzen. Ob das an der jugendlichen Interpretation von Jens Wawrczeck liegt, den ich sonst als die Stimme von Peter Shaw – einem der „Drei Fragezeichen“ – kenne? Auch die anderen Charaktere sind mir irgendwie nicht ans Herz gewachsen. Besonders von Melvin und Stella, Dorians Bezugspersonen, hätte ich mehr Tiefe und „Charakter“ erwartet. Ich hätte mir gewünscht, die beiden wären häufiger zu Wort gekommen, um sie so ein bisschen besser kennen zu lernen. Auch die „kleine“ Liebesgeschichte des Thrillers wirkt wenig glaubhaft. Von einer romantischen Stimmung fehlt jede Spur. Nicht, dass dies der wesentlichste Bestandteil eines Thrillers wäre, aber diese „Romanze“ ist wirklich zu aufgesetzt, konstruiert und unglaubwürdig. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Vorhersehbarkeit von manchen Szenen und von einigen Auflösungen. Normalerweise bin ich stolz, wenn ich ein kleines Rätsel lösen kann, bevor es der Erzähler tut, in diesem Fall jedoch fand ich es störend und ein Stück weit enttäuschend. Hier hätte Frau Poznanski ihrer Leserschaft ruhig ein wenig mehr zutrauen können.

Nichtsdestotrotz habe ich dem Hörbuch größtenteils gerne gelauscht und die Interpretation von Jens Wawrczeck genossen. Seine prägnante und jugendliche Stimme eignet sich hervorragend für die Lesung eines Jugendbuches, und er versteht es ausgezeichnet, unterschiedliche Stimmungen, Gefühle sowie das rasante Erzähltempo zum Ausdruck zu bringen und somit für reichlich Hörspannung zu sorgen. Ich bin mir allerdings unsicher, ob Jens Wawrczeck dem Protagonisten nicht eine zu junge Stimmfarbe verliehen hat, die nicht seinem tatsächlichen Alter – siebzehn – entspricht.

Die Autorin

Ursula Poznanski, 1968 in Wien geboren, arbeitet als Journalistin für eine Reihe medizinischer Fachzeitschriften. Seit 2003 veröffentlicht sie auch Kinderbücher. Für Die allerbeste Prinzessinerhielt sie den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2005 und stand auf der Auswahlliste für den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. Ihr Cyberthriller Erebos wurde von der Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 ausgezeichnet. Ende 2011 erschien ihr zweiter Jugendroman, der Thriller Saeculum. (Quelle: der Hörverlag)

Der Sprecher

Jens Wawrczeck, in Dänemark geboren, erhielt seine Schauspielausbildung in Hamburg, Wien und New York. Seit seinen Anfängen beim NDR Schulfunk hat er in unzähligen Hörspielen mitgewirkt und war in den unterschiedlichsten Rollen zu hören. Außerdem arbeitet er sehr erfolgreich als Hörbuchsprecher. Seine eigene Hörbuchedition EDITION AUDOBA hat sich auf Literatur spezialisiert, die in Vergessenheit geraten ist. Jens Wawrczeck ist zudem regelmäßig auf der Bühne zu sehen. Er ist Mitbegründer der „Film-AusleseR“, Teil des Duos „2stimmig“, arbeitet sporadisch als Synchronregisseur und -autor und ist Teil des Kult-Trios „Die drei Fragezeichen“. (Quelle: der Hörverlag)

Das Fazit

Mit „Layers“ hat Ursula Poznanski einen fesselnden Jugendthriller verfasst, der zwar einige Schwächen aufweist, dafür aber mit einer originellen Idee und einem flotten Erzähltempo punkten kann. Obwohl Frau Poznanski eine begnadete Schriftstellerin ist und ihr Name eigentlich ein Garant für gelungene Krimis und Thriller ist, ist dies sicher nicht ihr bestes Werk. Dennoch kann ich das Hörbuch – nicht zuletzt wegen des hervorragenden Sprechers – besonders jüngeren Zuhörerinnen und Zuhörern empfehlen, die sich gerne in spannende Hörbücher vertiefen und von einer rasanten Geschichte mitreißen lassen.

Die Vernetzung

Hier findet ihr weitere Besprechungen…

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Tintenzauber

…zum Hörbuch:

Der Bücherblog

33450-thankyou

8 Gedanken zu “*Hörbuch-Rezension* Layers / Ursula Poznanski

    • Hallo Jenni,

      danke für´s Kompliment! Und ich habe dich sehr gerne verlinkt. 🙂

      Wir freuen uns schon auf´s Herbstwichteln – Noah hat schon mehrmals gefragt: Wie lange dauert´s noch? 😉

      Lieben Gruß
      von Tina

      Gefällt mir

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