*Rezension* Eleanor und Park / Rainbow Rowell

Eleanor & Park
gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Hanser Verlag (02.02.2015)
Originaltitel: Eleanor & Park
ISBN: 978-3-446-24740-6
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Preis: 16,90 €

Der Inhalt

Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die pummelige Eleanor und der gut aussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann. (Quelle: Hanser Verlag)

Die Gedanken zum Buch

Die beiden 16-jährigen Teenager Eleanor und Park lernen sich kennen, als sie im Bus – auf der täglichen Fahrt zur Schule – gezwungenermaßen nebeneinander sitzen. Aus anfänglicher Abneigung entsteht allmählich ein Interesse an dem anderen, ausgelöst durch das gemeinsame Lesen von Superhelden-Comics. Als Eleanor und Park dann beginnen, zusammen zu reden – in erster Linie über Musik – erwächst aus Interesse eine Faszination, die ganz langsam und behutsam in ein Verliebtsein übergeht. Die Autorin Rainbow Rowell lässt sich Zeit mit der Beschreibung diesen Vorgangs. Sie schildert die Liebe der beiden Protagonisten auf eine wunderschöne, ruhige Art – zart, romantisch, unschuldig und echt. Dabei erzählt Rainbow Rowell die Geschichte abwechselnd aus der jeweiligen Sicht von Eleanor und Park, was den Eindruck der Authentizität noch verstärkt. Auch, wenn die Autorin für ihre Erzählweise die dritte Person wählt und damit eine gewisse Distanz zum Innenleben ihrer Protagonisten wahrt, bekommt man doch einen guten Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt von Eleanor und Park.

Rainbow Rowells Schreibstil ist geprägt von vielen lebendigen Dialogen sowie von einer gewissen Schlichtheit und Einfachheit. Sie verzichtet darauf, die Ereignisse besonders dramatisch, emotional oder actiongeladen darzustellen und erzeugt gerade damit beim Leser eine starke Betroffenheit und tiefe Gefühle. Ihre Worte sind zwar einfach und unspektakulär, besitzen jedoch eine starke Wirkung, die lange nachhallt. In dem Buch findet man zahlreiche wunderbare Zitate, die das Herz berühren und die schlichtweg be-merkenswert sind.

Eleanor hatte recht: Sie sah nie schön aus. Sie sah aus wie ein Kunstwerk, und Kunst musste nicht schön sein; Kunst sollte etwas in einem auslösen. (Rainbow Rowell: Eleanor und Park, Seite 189)

Die Helden

Eleanor und Park sind nicht die typischen Helden einer amerikanischen Highschool-Romanze – sie sind eher das genaue Gegenteil: Außenseiter, die keinerlei Heldenstatus nach außen hin verkörpern. Schon von ihrem äußeren Erscheinungsbild fallen die beiden auf. Eleanor hat leuchtend rotes, wirres Haar und eine füllige Körperstatur, was ihr den Namen „rote Bombe“ verschafft. Außerdem trägt sie vornehmlich alte, verschlissene Männerkleidung und ungewöhliche Accessoires. Park ist Asiate – er ist klein, schlank und drahtig und hat eine Vorliebe für schwarze Kleidung und Eyeliner. Obwohl beide Außenseiter sind, sind sie doch völlig unterschiedlich. Während Park aus einem behüteten Elternhaus kommt, lebt Eleanor in zerrütteten Familienverhältnissen. Sie muss sich mit drei ihrer kleinen Geschwister ein winziges Zimmer teilen und besitzt noch nicht einmal eine eigene Zahnbürste. Ihr Stiefvater Richie neigt zu Gewaltausbrüchen sowie einem hohen Alkoholkonsum und tyrannisiert seine Frau und die Kinder, wo er nur kann. Eleanor schafft sich mit ihren Büchern, mit Parks Comics und seinen Musikkassetten ihre eigene heile Welt, die allerdings aufgrund ihres unberechenbaren Stiefvaters äußerst zerbrechlich ist.

Eleanor ist intelligent, kritisch, misstrauisch und sehr empfindsam und feinfühlig. Durch ihre Schüchternheit und Unsicherheit wirkt sie oft verschlossen oder gar unfreundlich. Nicht selten reagiert sie empfindlich, wenn Park sie mit unbedachten Bemerkungen über ihr Aussehen und Verhalten ungewollt verletzt.

Park ist höflich und „gut erzogen“. Und er ist auf seine eigene Weise sensibel und mitfühlend, auch wenn er dabei nicht immer den richtigen Ton gegenüber Eleanor trifft. Park hat eine besondere Leidenschaft zu Comics und Musik, die er mit Eleanor teilt. Mit seinen Taekwondo-Kampfkünsten kann Park sie allerdings nicht sonderlich beeindrucken.

Beide Charaktere sind einerseits „zart“ und verletzlich, andererseits zäh, tapfer und auf ihre Art stark. Eleanor und Park verhalten sich zwar nicht immer liebenswürdig, sind aber zu jeder Zeit liebenswert. Auch wenn sie keine Helden im typischen Sinn sind – für mich sind sie „Helden des Herzens“. 🙂

Eleanors Hand zu halten war, als würde man einen Schmetterling halten. Oder einen Herzschlag. Als würde man etwas Vollkommenes und vollkommen Lebendiges halten. (Rainbow Rowell: Eleanor und Park, Seite 81)

Als er ihre Hand das erste Mal hielt, war das so schön, dass es alles Schlimme verdrängte. Es war schöner, als der schlimmste Schmerz schlimm war. (Rainbow Rowell: Eleanor und Park, Seite 338)

Die eigene Meinung

Ich war von der ersten Seite an von „Eleanor und Park“ beeindruckt und begeistert. Schon das schlichte, aber liebevoll gestaltete Cover hat meine Freude auf und über das Buch angekurbelt. Und als dann noch die erste Seite ankündigte, dass die Handlung im August des Jahres 1986 spielt, hat dies meine Vorfreude weiter gesteigert. Die 80-er Jahre – das bedeutet: schräge Klamotten, Schnur-Telefone, Walkman und selbst aufgenommene Kassetten, Star Wars und Batman, The Smiths und U2. Und all das kommt in diesem Buch nicht zu kurz. Es ist sogar eine wahre Fundgrube für Musik, Filme, TV-Serien und Comic-Figuren aus den 80-er Jahren. Da fühlte ich mich sofort in meine Jugendzeit zurückversetzt und habe mich daran erinnert, wie ich mit Kopfhörern im Bus oder Auto saß und mir meine Musik-Mix-Kassetten anhörte. Rainbow Rowell schafft es, mit ihrem Roman den besonderen Charme der 80-er Jahre ganz unaufdringlich zu vermitteln – und das hat mir unheimlich gut gefallen.

Sehr gut gefallen hat mir auch die langsame Annäherung von Eleanor und Park. Hier gibt es kein „Hals-über-Kopf-verlieben“ oder überstürzte Küsse. Hier kann man miterleben, wie die beiden zunächst immer faszinierter voneinander sind und sich dann vom vorsichtigen Händchenhalten bis zum ersten zaghaften Kuss wagen. Das wirkt äußerst romantisch und verursacht beim Lesen ein paar Schmetterlinge im Bauch. Im Gegensatz zu dieser zarten und unschuldigen Liebesgeschichte steht Eleanors trostlose häusliche Situation und die Tatsache, dass sie von ihren Mitschülern aufs Gröbste gemobbt wird. Oft stehen diese Erfahrungen zwischen Eleanor und Park, was meiner Meinung nach die Geschichte aber noch realistischer und komplexer macht. Gerade die Realitätsnähe, die Rainbow Rowell während der Handlung und mit Hilfe der verschiedenen Charaktere immer wieder erzeugt, hat mich begeistert und vom Schreibtalent der Autorin überzeugt.

Die Autorin

Rainbow Rowell studierte Journalismus an der University of Nebraska-Lincoln und arbeitete danach mehrere Jahre als Kolumnistin beim Omaha World-Herald. Mit ihrem ersten Jugendroman Eleanor & Park gewann Rowell 2013 den Boston Globe Horn Book Award und den Printz Award. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen im Bundesstaat Nebraska. Sie schreibt Jugendliteratur und Romane für Erwachsene. Ihr Bestseller Eleanor & Park (2015) ist ihr erster Jugendroman bei Hanser. (Quelle: Hanser Verlag)

Die Bewertung

„Eleanor und Park“ ist ein bewegender Jugendroman mit einer romantischen und fragilen Liebesgeschichte – frei von jeglichem Kitsch und Klischee. Ein absolut lesenswertes Buch, das nicht nur wunderbare Unterhaltung bietet, sondern berührt und zu Herzen geht. Wer sich sein Herz von zwei außergewöhnlichen Charakteren und einer hervorragenden Autorin erobern lassen möchte, sollte „Eleanor und Park“ unbedingt lesen. 🙂

 

Eleanor & Park

„Er weiß, dass mir ein Song gefällt, bevor ich ihn gehört habe.“

Auf der Website vom Hanser Verlag gibt es ein Glossar mit Links zu allen Bandnamen, Künstlern, Filmtiteln und Musikstücken aus “Eleanor & Park”. Bei Interesse bitte hier klicken. 🙂

7 Gedanken zu “*Rezension* Eleanor und Park / Rainbow Rowell

  1. Guten Morgen liebe Tina,

    nach deiner tollen Rezi bin ich superzappelig und würde das Buch am liebsten direkt lesen. Es steht hier schon, aber ich komm momentan einfach nicht dazu, und das ist echt Folter, weil ich dauernd lese: Das musst du lesen, es ist so toll. Haha. Ich brauch wohl dringend mehr Lesezeit *seufz*.

    Sehr schöne Rezension jedenfalls, die macht Lust aufs Buch.
    Liebste Grüße Ina

    Gefällt mir

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